Landwirte helfen den Bienen

Landwirte haben viele Möglichkeiten, die Honigbiene – und natürlich auch andere Insekten – zu fördern. Sie können gezielt Trachtpflanzen in ihre Fruchtfolgen einbauen, also Pflanzen, die Nektar oder Pollen – oder am besten beides – spenden. Mit Hecken, ungenutzten Böschungen und ähnlichen Strukturen bieten sie wertvolle „Trachtinseln“. Außerdem retten die Landwirte viele Bienen vor dem Mäh-Tod, wenn sie beim Mähen oder Mulchen von Grünland, Futterbau und Stilllegungs-Flächen den richtigen Zeitpunkt und die geeignete Technik wählen.

Die wichtigste Devise auf den Feldern heißt: Viele blühende Pflanzen so lange wie möglich! Eine „Massentracht“ wie Raps, der zwei bis drei Wochen im Jahr blüht, füllt zwar kurzfristig die Honigräume im Bienenvolk und die Gläser des Imkers, sichert den Bienen aber nicht das Überleben. Bienen brauchen während der gesamten Vegetationszeit Nektar und Pollen – besonders im Spätsommer, um mit gut genährten Bienen in den Winter zu gehen.

Was können Landwirte tun?

An jedem Tag im August wachsen Zwischenfrüchte so viel wie in einer Woche im September oder im ganzen Oktober. Müssen keine Wurzel-Unkräuter mehr bearbeitet werden, sollte bereits an den Tagen nach der Ernte im Juli/August die Zwischenfrucht gesät sein. Das ermöglicht nicht nur eine frühe Blütentracht für die Bienen, sondern für die Landwirte auch viel Biomasse zum Bodenaufbau oder – wenn Leguminosen in der Mischung sind – auch zusätzlichen Stickstoff für die Folgekultur.

Interessante Nahrungsquellen für Bienen und als Zwischenfrucht geeignet sind Phacelia, Buchweizen, Ölrettich, Sommerraps, Rübsen, Senf und Sommerwicke. Die Becker-Schöll AG oder die Bayerische Futtersaat (BSV) bieten mit dem Landsberger Gemenge oder MS 100 (BW) sowie SZF 3 und SZF 4 abfrierende und teilabfrierende Mischungen an. Bei früher Saat – etwa nach Wintergerste oder Ganzpflanzensilage (GPS) – können auch Perser – oder Alexandrinerklee noch rechtzeitig blühen.

Untersaaten – z.B. unter Getreide, Mais, Ackerbohnen, Sonnenblumen – bieten nicht nur Regenwürmern und anderen Bodentieren ausgiebig Futter im Boden, sondern sind auch hervorragende Bienenweiden. Denn sie blühen dann, wenn Obst, Raps, Löwenzahn und andere Frühtrachten verblüht sind und die Zwischenfrüchte noch auf sich warten lassen. Auf vielen Flächen sind Untersaaten auch ackerbaulich sinnvoll.

Weißklee und Inkarnatklee vereinen als Untersaat viele Vorteile. Bewährt hat sich eine Mischung von 3 kg Weißklee plus 10 kg Inkarnatklee pro Hektar, die im Frühjahr mit der Drillmaschine so früh wie möglich (evtl. nach dem Striegeln, 4-Blatt-Stadium) unter Sommer- und Wintergetreide gesät wird. Auf eine Unkrautbekämpfung komplett verzichten kann, wer zusätzlich Leindotter aussät. Durch seine rasche Bodenbedeckung kann er die Beikräuter erfolgreich unterdrücken. In diesem Fall können Weißklee, Inkarnatklee und Leindotter gleichzeitig mit dem Sommergetreide ausgesät werden. Wer für die Bienen – und für andere Insekten – noch mehr tun will, kann die Untersaat mit einem Kräuter-Mix (etwa NK von der BSV) bereichern.

Blumenwiesen von Landwirten

 

Betriebe mit wenig oder keinen Tieren bzw. mit ausreichend Futter, die Stilllegungs-Flächen nur mulchen oder ihr Kleegras selten mähen, können durch eine geschickte Auswahl der Arten wahre Bienenparadiese schaffen. Ganz wichtig ist natürlich, dass die Pflanzen im Bestand auch blühen, was bei einem üppigen Aufwuchs beispielsweise mit „normalem“, tetraploidem Ackerrotklee (z.B. „Lucrum“) kaum der Fall ist. 

Denn hier führt ein spätes Mulchen nach der Blüte zu einem sehr dichten Mulch-Teppich, den der neue Aufwuchs nur mühsam durchdringt. In diesem Fall ist es wichtig, die Mulchschicht nach dem Anwelken mit einem Kreiselheuer zu lockern. Eine Alternative bieten Arten, die ihren Ertrag vor allem unter der Erde, also als Wurzel-Ertrag bilden. Beim Wiesenrotklee „Wiro“ etwa reicht es aus, den Bestand zweimal pro Jahr zu mulchen. Somit bietet er lange und ergiebige Blühzeiten im Jahr. Auch Esparsette und Bibernelle bilden ein umfangreiches Wurzelwerk und werden von den Bienen sehr gerne besucht. Weitere Pflanzen, die in Stilllegungs-Gemengen von Bienen gerne beflogen werden, sind alle anderen Kleearten (Perser-, Inkarnat-, Alexandriner-, Weiß-, Horn-, Schweden- und Steinklee), weiterhin Phacelia, Buchweizen, Senf, Ölrettich und Kräuter wie Spitzwegerich, Kümmel oder Wiesenknopf. Fertige Mischungen sind z.B. die „Tübinger Mischung“, die „Evangelische Mischung“, die Becker-Schöll MEKA Mischung, die BSV Sommerbrache oder die BSV Bienenbrache.

Besonders Landwirte, die weniger oft mähen, haben für Bienen auf ihren Grünland-Flächen einiges zu bieten. Neben Löwenzahn im Frühjahr bieten Weiß-, Gelb-, Wiesen- und Hornklee aber auch Kräuter aller Art das ganze Jahr über eine gute Tracht. Die Voraussetzung: Mindestens acht Wochen zwischen zwei Nutzungen, damit einzelne Arten zum Blühen kommen, sowie eine angepasste bzw. zurückhaltende organische Düngung, die einen vielseitigen Pflanzenbestand ermöglicht. Damit auch sicher den ganzen Sommer über etwas blüht, dürfen nicht alle Flächen gleichzeitig gemäht werden. 

Optimal für Bienen ist also die traditionelle „Staffelmahd“, die zudem Arbeitsspitzen entschärft und für verschiedene Tierarten und -gruppen angepasste Futter-Qualitäten ermöglicht. Auch auf Standweiden blühen Klee- und Kräuterarten. Feste Zäune sind für Bienen wertvoll, da sie immer mit einem kaum genutzten Grünstreifen verbunden sind. Eine hervorragende Biotop-Vernetzung kann man dadurch schaffen, dass die Ränder der Wiesen nur bei jeder zweiten Ernte gemäht werden.

Landwirte gestalten auch die Landschaft, die ihre Wiesen, Weiden und Ackerflächen umgibt. Jeder Winkel einer Landschaft, der nicht gepflügt, gemäht, beschnitten oder regelmäßig gepflegt wird, ist für Insekten eine Oase. Eine Böschung, die selten gemäht wird oder ein Ackerrand bieten eine Vielfalt von Blühpflanzen und versorgen Bienen, Hummeln und Co. von April bis Oktober mit Pollen und Nektar. Also warum nicht mal „ein Auge zudrücken“, eine kleine Wildnis sein lassen oder auf die letzten 20 Zentimeter Pflugeinsatz verzichten? Müssen wir wirklich unser ganzes Land sauber halten und im Griff haben? Sind nicht auch die fragenden Nachbarblicke auszuhalten, wenn dafür wieder unsere Insekten überleben können? Und wenn es wieder summt in unseren Obstgärten?

Förderprogramme für Landwirte

Um Landwirte, die Maßnahmen für eine blühende Landschaft umsetzen, finanziell zu unterstützen, gibt es in den Bundesländern verschiedene Förderprogramme. Diese Agrar-Umweltprogramme honorieren den Mehraufwand für ökologische Leistungen zum Schutz und zur Entwicklung von Boden, Wasser, Luft, Landschaftsbild und Biodiversität. Gefördert werden beispielsweise Ackerrandstreifen, ein- und mehrjährige Blühstreifen, Zwischenfrüchte, extensive Bewirtschaftung von artenreichem Grünland.

Informationen erteilen die zuständigen Landwirtschaftsämter. Eine aktuelle Übersicht der Agrar Umweltprogramme in den Bundesländern finden Sie auf unserer Webseite www.bluehende-landschaft.de – Rubrik „Handlungsempfehlungen: Landwirtschaft

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