Die Bienen und ihr Sozialverhalten

Die Bienen sind eine Insektengruppe, in der mehrere Familien der Hautflügler (Hymenoptera) zusammengefasst werden. Umgangssprachlich wird der Begriff Biene meist auf eine einzelne Art, die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) reduziert, die wegen ihrer Bedeutung als staatenbildender Honigproduzent, aber auch wegen ihrer Wehrhaftigkeit besondere Aufmerksamkeit erfährt. Dabei handelt es sich bei den Bienen um eine recht große Gruppe mit sehr unterschiedlichen Arten. Viele davon, vor allem die solitär lebenden, werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst.

Sprechen wir über die Honigbiene. Eine Honigbiene allein ist nicht lange überlebensfähig. Sie benötigt die Gruppe, den Verband, eben das Bienenvolk, um als Art zu überleben und sich fortzupflanzen. Das Bienenvolk lebt in einem Nest aus mehreren Waben mit Brut und Nahrungsvorräten.

Die Honigbiene

Die Nahrung wird gemeinsam gesammelt und eingetragen, verarbeitet und gelagert. Die Brut wird damit gefüttert. Im gemäßigten Klima dienen die Nahrungsreserven als Futter für den Winter. Das Bienenvolk vermehrt sich durch Schwärmen, indem ein Teil des Volkes mit der Königin das Nest verlässt und ein neues Volk gründet.

Imker neigen traditionell dazu, das Bienenvolk mit einem Staat zu vergleichen und den Einzelwesen Begriffe aus der Welt des Menschen zuzuordnen. Da wird von der Arbeiterin und der Königin gesprochen. Während die Arbeiterin als Wesen ohne eigenen Willen gesehen wird, bestimmt die Königin alles. Das spiegelt sich auch an dem aus dem Mittelhochdeutschen für ‚Oberhaupt‘ abgeleiteten Begriff ‚Weisel‘ wieder. Ein Volk ist weiselrichtig, es hat eine Königin. Im Stock bilden die pflegenden Bienen einen Hofstaat,

wenn sie sich um die Königin aufreihen. Wenn sie ausfliegt, um sich zu paaren, spricht man vom Hochzeitsflug.

Wie funktionieren die Bienen

Eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren eines Bienenvolks ist die Arbeitsteilung. Sie ist abhängig vom Alter der Bienen, ohne starr zu sein. So können ältere Bienen Aufgaben von den jungen übernehmen, wie es in der Brutaufzucht häufig vorkommt. Genauso können junge schnell ‚alt‘ werden, wenn plötzlich Sammlerinnen gebraucht werden. Das Ganze wird, wie für einen Superorganismus typisch, nicht von oben gesteuert, sondern ist eine Entscheidung von unten. Thomas Seeley beschreibt es als alleinige Entscheidung jeder Einzelbiene aufgrund von bestimmten Reizen, die kleine Veränderungen hervorrufen, die wiederum Reize für andere Bienen darstellen und auch bei ihnen zu Entscheidungen führen. Am Ende resultiert aus all den Kleinentscheidungen das Makroverhalten des gesamten Bienenvolks. Wabenbau, Wabennutzung und Schwarmverhalten sind solche Makroentscheidungen.

Im Frühjahr und Sommer zieht ein Bienenvolk Brut auf. Die Entwicklungsprozesse der Brut hängen wesentlich von der Temperatur ab. Mit der Höhe der Temperatur werden sie beschleunigt und bei konstanter Temperatur in der Dauer festgelegt. Ein Bienenvolk regelt die Temperatur der Brut sehr genau auf 34° bis 36° C ein. Dabei wärmen die mehr als zwei Tage alten Bienen nicht den Raum, sondern geben die Wärme direkt an die Brut ab, entweder von oben oder über die Wände freier benachbarter Zellen.

Mit dem Begriff ‚der Bien‘ fasste Ferdinand Gerstung im 19. Jh. die Rolle der Bienen und des Volkes am besten zusammen. Eigentlich ist es aber egal, aus welcher Perspektive wir das Ganze sehen. Im Ergebnis aller Überlegungen ist das Tier das gesamte Bienenvolk. Das Tier stirbt, wenn das Volk stirbt.

Weiselzellen

Tote  Bienen vor dem Nest können ein Anzeichen für ein gesundheitliches Problem des Volkes sein, sie können aber auch einfach ihre Altersgrenze erreicht haben. Der Körper des ‚Biens‘ ist ein sehr fragiles Gebilde. Wenn bestimmte Körperfunktionen gestört und Abläufe nicht mehr möglich sind, leidet das Tier. Es verliert seine Widerstandskraft und die Fähigkeit, sich mit körpereigenen Mitteln zu heilen.  

Die Bienenpest
verendete Bienen

Ist ein Tier in seinem Überlebenskampf ganz auf fremde Hilfe von außen angewiesen, kann seine Haltung nicht naturgemäß sein. Wer Bienen naturgemäß halte will, muss die einzelnen Bereiche der Haltung Punkt für Punkt durchgehen und sich fragen, wie weit bin ich weg von der Natur, wie nah kann ich sein. Der Kompromiss aus einer naturgemäßen Haltung und der Haltung von Nutztieren muss lauten: So naturnah und artgerecht wie möglich – eben naturgemäß. Quelle: Auszüge aus ‚Bienen naturgemäss halten‘ von Wolfgang Ritter

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